Rezension im "Strahlentelex" 2009
„ ein abenteuerliches und bisher unbeachtetes Kapitel zur Geschichte der Kernenergienutzung und der Atomwaffen.“
Es ist unglaublich, wie lange Staatsgeheimnisse und insbesondere die Geheimnisse der Geheimdienste, der Militärs und – der Atommaffia – geheim bleiben können. Stückchen für Stückchen lässt sich erst seit wenigen Jahren eine ganz andere Geschichte der deutschen Atombombe rekonstruieren, als wir sie in den Geschichtsbüchern nachlesen können. Gabriele Weber gehört zu der nahezu ausgerotteten Spezies der investigativen Journalisten. Sie hat sich intensiv mit den schlimmsten Geheimdiensten der Welt befasst: mit der Stasi, dem CIA, dem russischen FSB, dem BND, dem Bundesamt für Verfassungsschutz und dem Mossad. Sie ist mehrfach vor Gericht gezogen, um Akteneinsicht zu bekommen – beim BND, beim BKA, beim Bundesamt für Verfassungsschutz und bei der Berliner Polizei.
Sie hat eine zweite Heimat in Argentinien und nervt auch dort – sie greift die korrupten und gewalttätigen argentinischen Gewerkschaften ebenso an wie die dortigen Untaten von Mercedes Benz. Ihr jüngstes Werk hat eine besondere Qualität. Gabi Weber legt erstmals ein Theaterstück vor, sie folgt in der Form großen Vorbildern: Dialoge waren im alten Griechenland sehr geschätzt, um philosophische Probleme kurzweilig und nachvollziehbar zu erläutern. Auch Galilei griff zu diesem überzeugenden pädagogischen Mittel. Es könnte sein, dass es Gabi Weber nicht nur um eine effektive Vermittlung komplizierter Zusammenhänge geht, sondern dass sie im Unterschied zu ihren bisherigen harten Recherchen in der Form des theatralischen Dialogs eine Möglichkeit sieht, sehr brisante Fakten als Kunstprodukt und damit schwerer formal angreifbar zu präsentieren. Worum geht es inhaltlich? Es ist bekannt, dass Israel spätestens seit 1967 Atommacht ist, also über eigene Atomwaffen verfügt. Israel hat wesentlich mehr Atomwaffen als Pakistan oder Indien. Seltsam ist, dass Israel (anders als etwa der Iran) bis heute nicht den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet und sich nahezu vollständig der internationalen Kontrolle seiner kerntechnischen Anlagen verweigert hat, ohne dass ihm das ernsthafte Kritik der internationalen Staatengemeinschaft eingetragen hätte. Im Dämmerlicht liegt immer noch, wie Israel Atommacht werden konnte. Zeitweise gab es eine Zusammenarbeit mit Frankreich, Kennedy stand den israelischen Plänen eher ablehnend gegenüber. Unter der Decke half auch Großbritannien.
Gabi Weber hat in argentinischen Archiven Hinweise dafür gefunden, dass es auch gewichtige Unterstützung für die israelischen Atombomben aus Deutschland und Argentinien gab. Argentinien war schon vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges ein Zufluchtsort für viele Nazis, auch für viele deutsche Fachleute aus dem Bereich der Rüstungsforschung und -entwicklung und der Kernforschung bzw. Atomwaffenentwicklung. General Perón hat das sehr begrüßt und den Exodus deutscher Fachleute sogar aktiv befördert. Von der deutschen Regierung und gewichtigen Vertretern der Industrie wurde diese Entwicklung durchaus wohlwollend gesehen, konnte man doch in Argentinien an Themen weiterarbeiten, die in Deutschland nach dem Kriege tabu waren. Argentinien unterstützte Israel durch mehrere Lieferungen von Natururan, die deutschen Wissenschaftler im argentinischen Exil lieferten mehr know how. Eine besondere Pikanterie erhält diese Geschichte dadurch, dass Adolf Eichmann sich in den Nachkriegsjahren auch in Argentinien aufhielt. Er hatte einerseits Schwierigkeiten, dort seinen Lebensunterhalt zu verdienen, verfügte andererseits aber über zahlreiche Kontakte zu den anderen Deutschen und auch zu den deutschen Wissenschaftlern. Er wusste von den geheimen Beziehungen zu Israel und ist im Ergebnis der Recherchen von Gabi Weber nicht vom Mossad wegen seiner Verbrechen in der Nazizeit entführt worden, sondern von einem kleinen auf Rüstungsprobleme spezialisierten israelischen Geheimdienst nach Israel gebracht worden, weil er – schwatzhaft war und die Gefahr bestand, dass er über die atomaren Beziehungen zwischen Argentinien, Deutschland und Israel an unpassender Stelle plaudern würde. Es überrascht nicht wirklich, dass das Bundeskanzleramt zwar eine Eichmann-Akte über die Zeit vor seiner Verhaftung in Israel hat, sie aber bis mindestens 2017 geheim halten will. Gabi Weber verklagte den BND wegen der Geheimhaltung von Erkenntnissen über einen Massenmörder und der lapidaren Begründung, der BND müsse seine Methoden und Quellen schützen. Gabi Webers Büchlein ergänzt ein abenteuerliches und bisher unbeachtetes Kapitel zur Geschichte der Kernenergienutzung und der Atomwaffen.
Sebastian Pflugbeil
Rezension "Libertarian
Press Agency" März 2009
"Wir werden euch den Spiegel vorhalten bis
ihr euch wiedererkennt, euch und eure Taten."
Gaby Weber, das ist eine, die den Finger in die Wunde
legt. Aber sie legt ihn nicht nur hinein, sondern stochert auch nach
dem Geschoß, das sie verursacht hat. Unerschrocken legt sie sich
seit Jahrzehnten mit den Mächtigen und den Gefährlichen dieser
Welt an, deckt auf, weist nach, stellt an den Pranger, kämpft für
Gerechtigkeit und das, das dieser Gerechtigkeit zu Grunde liegt: Wahrheit.
Selbst Kind des verlogenen Zeitalters des deutschen Postfaschismus,
setzt sie alles daran, die Autoamnesien dieser Gesellschaft ins Gedächtnis
zu rufen und unterstreicht in ihren Artikeln, Reportagen, Büchern,
Radiofeatures und Filmen: DOCH! Ihr HABT davon GEWUSST ! Ihr habt es
nur nicht mehr wissen wollen. Und ihr habt alles getan, daß wir,
eure Kinder und Kindeskinder, es nicht zu wissen bekamen. Aber wir wissen
- zunehmend- über euch Bescheid! Wir werden euch den Spiegel vorhalten
bis ihr euch wiedererkennt, euch und eure Taten. Auf Lüge läßt
sich keine freie Zukunft bauen.
Wenn es einen deutschen Pulitzer-Preis für investigativen
Journalismus gäbe - Gaby Weber müsste ihn bekommen. Aber diesen
Preis gibt es hierzulande für Leute wie Gaby Weber nicht und es
gibt auch keinen Freedom of Information Act - hierzulande muß
mensch Klage einreichen um den Versuch zu starten, Papiere zu Gesicht
zu bekommen, die eigentlich öffentlich zugänglich sein müssten.
In diesem Land hat nach wie vor Täterschutz Vorrang. Zumal häufig
Staat und Wirtschaft in die Taten verstrickt sind.Gaby Weber erzählt
keine Märchen, sie räumt mit ihnen auf. Sie präsentiert
hard facts wo Leute die Stirnen kraus ziehen und zweifelnden Blickes
zurückschrecken. Sie weiß, daß Tatsachenbehauptungen
en detail untermauert werden müssen und daß selbst untermauerte
Tatsachenbehauptungen in den Zeiten des generellen Zweifels und Verzweifelns
kaum zur Kenntnis genommen werden. Denn hinter einer Wahrheit promenieren
frech tausend Lügen über die wohlfeilen Einkaufsstraßen.
Ihr neues Buch ist eines das keiner drucken wollte. Ihren Film "Wunder
gibt es nicht", will niemand zeigen - hierzulande nicht. In Argentinien,
da wo das Verbrechen geschah, lief er zur Primetime. Aber die Verbrecher
saßen in Deutschland, jedenfalls deren Arbeitgeber und Auftraggeber:
Daimler-Benz. Und der Konzern mauert.chatting with Sokrates - Dialog
über Öl, Atom und Eichmann, Ende 2008 bei "Die Buchmacherei",
Berlin erschienen, ist ein Buch, das die Spur aus Asche und eingetrocknetem
Blut aus den Konzentrations- und Zwangsarbeits-Lagern der Nazis entlang
der Rattenlinie bis nach Argentinien nachzeichnet, und wieder zurück
nach Deutschland, Frankreich, Franco-Spanien, in die USA bis schließlich
hin nach Israel.
Das Buch ist Welt-Theater. Im Rahmen eines Theaterstücks
erzählt es die Geschichte von der Lüge vom Wirtschafts-"Wunder"
der BRD, geplant und eingefädelt schon 1943 vom Wehrwirtschaftsspezialisten
Ludwig Erhard, der als personifizierter und entnazifizierter Wohlstandsbauch
in Kanzlerwürden, die Geldwäsche der Nazischore deckt, die
über Argentinien ins ehemalige Reichsgebiet zurückgeschleust
wird - nach heutigen Werten Zigmilliarden. Das Nazigeld und -gold aus
Auschwitz, den ausgeplünderten überfallenen Ländern und
der über Leichen gehenden Arbeitskrafterpressung von Millionen
ZwangsarbeiterInnen verhilft der jungen BRD mit dem Rückenwind
des Marshall-Plans zum "Wunder", zum "Wirtschaftswunder".
Ein Land, das nach der vernichtenden Niederlage mindestens ein halbes
Jahrhundert hätte am Boden liegen müssen, steigt aus den Trümmern
wie ein Phönix. Und dies alles nur wegen deutschem Willen, deutschem
Fleiß und deutschem Erfindungsgeist? WUNDER GIBT ES NICHT ! Und
dieses sogenannte "Wirtschaftswunder" gab es auch nur, weil
die USA den deutschen Prellbock gegen die SU brauchten und bei der großen
Reinhole der klug und vorsorglich im Ausland gebunkerten Nazimilliarden
wegschauten. Sie brauchten ein starkes Deutschland als Vasallen und
militärische Speerspitze und als potentiellen Kampfplatz weit weg
vom Amerikanischen Kontinent.Analog dazu schafften 50.000 rattenwandernde
Nazis in Argentinien mit Hilfe Perons und dessen hochfliegenden Plänen
von einer südamerikanischen Supermacht mit Raketen, Düsenjägern
und Atombombe ein "Wirtschafts-Wunder" auf der anderen Seite
vom Teich. Hier wähnten sich die Nazikader in sicherer Wartestellung,
bis Gras über "die Sache" gewachsen war und sie wieder
gebraucht wurden. Sie setzten auf die antibolschewistische Karte und
das Vergessen der Menschheit. Sie setzen auf damals gültige 20
Jahre Verjährung für Mord - also freie Rückkehr "ins
Reich" nach 1965. Nazigeld pushte über Mercedes Benz Argentina
die Wirtschaft des südamerikanischen Schwellenstaates und in den
Laboren und Versuchswerkstätten Perons waren Naziwissenschaftler
am Werk, bruchlos dort weiterzumachen, wo sie 1945 aufhören mussten.
Einer der bei Mercedes Untergebrachten war Adolf Eichmann, der Stratege
der "Endlösung der Judenfrage", übrigens bis 1933
bei Standard Oil beschäftigt. Der Eichmann, der dann verdientermaßen
in Jerusalem endete. Bis dahin war es aber ein langer Weg.In dem auf
trockenen Tatsachenrecherchen beruhenden Theaterstück "chatting
with Sokrates" geraten wir mit Eichmann als Leitfigur in die Szenerie
eines Ganzen, das plötzlich plastisch wird. Eine Journalistin,
offenbar das alter ego Gaby Webers, chattet mit einer unbekannten Frau,
einer Geschichtslehrerin in New York, über Fakten, Wahrheit,
Schlußfolgerungen
und Sinnhaftigkeit von Recherche. Der Chatt, das Gespräch
wird philosophisch, Sokrates und dessen immer noch gültiger Ansatz
nach Wahrheitssuche kommt ins Spiel. Jener Sokrates, dem die alten Griechen
den Schierlingsbecher reichten, der ihn vergiften soll - weil er sich
weigerte ihnen die Wahrheit NICHT zu sagen, weil er sich weigerte zu
schweigen.Durch die Recherche über 15 verschwundene Gewerkschafter
bei Mercedes Benz Argentina stolpert die Journalistin in eine Geschichte
von Verbrechen, Verrat und Staatskriminalität hinein, in einen
sudeligen Sumpf von Ranküne, Schiebung und Verdrängung, in
ein Gomorrha von Komplizenschaft und Verstrickung in Staatsterrorismus,
zynischer Opferleugnung und geostrategischer Machtspiele. Big Oil und
Big Money sind von Anfang an ebenso mit von der Partie wie die internationale
Waffenschieber- Mafia. Am Ende steht die israelische Atombombe, ausgerechnet
maßgeblich von Naziwissenschaftlern und von in Nazikriegsverbrechen
verwickelten Firmen wie Degussa und Mercedes Benz ermöglicht. Und
das sicher nicht ganz freiwillig.In diese haarsträubende Geschichte
ist der berüchtigte Eichmann verstrickt, dessen Lebensgeschichte
in relevanten Teilen im ersten Teil des Theaterstücks im Dialog
aufgerollt wird. Da Eichmann einer der Hauptorganisatoren zunächst
der Vertreibung, dann der Vernichtung der europäischen Juden war,
war er auch eine Schlüsselperson für die Zionisten, also die
Organisation, die ein Interesse an der massenhaften Einwanderung von
Jüdinnen und Juden nach Palästina hatte. Eine perverse Win-Win-Situation
führte zur engen Zusammenarbeit der Jewish Agency und den Henkern
ihrer Klientel. Daß der Zynismus nicht nur auf Seiten der Nazis
beheimatet war, belegen eindringlich dokumentierte Szenen des permanenten
Kuhhandels zwischen Nazi-Politik und Zionisten zum Schaden der Betroffenen.
Aus der Gemengelage der Interessen wird klar, daß pures Schwarzweißdenken
völlig verfehlt ist und sich auch unerfreuliche Perspektiven zur
Seite der Kollektivopfer hin auftun. Wenn, wie geschehen, dem primären
Ziel zionistischer Einwanderung und zionistischer Staatsgründung
wissentlich und willentlich Menschenleben geopfert werden, wird Vieles
fragwürdig. Hinzu kommt ein selbst reklamierter nationalsozialistischer
Impetus in Teilen der Führung des Zionismus (Taktik?), der von
vorne herein nicht geleugnet werden kann und unter anderem klar zum
Ziel hatte, die arabische Bevölkerung Palästinas zahlenmäßig
zu überrennen und möglichst aus dem Land zu drängen.
Daß heute auch rechtsradikale, ja faschistisch zu
nennende Parteien in Israel mit das Sagen haben, kann unter diesen Umständen
nicht verwundern. Zionismuskritische Denke ist nicht nur auf Grund heutiger
militaristischer Exzesse des Staates Israel PalästinenserInnen
gegenüber vonnöten, sondern auch gegenüber den Praktiken
damaliger Zionismusförderer, ein höchst kontroverses und undankbares
Thema. Dabei darf nicht außer acht gelassen werden, daß
die zionistische Bewegung eine äußerst vielschichtige war,
die eine Bandbreite von Anarchismus/Sozialismus bis zu nationaltheologischem
Chauvinismus abdeckte. Eine vielleicht ähnliche Bandbreite darf
mensch innerhalb der Jewish Agency unterstellen. Viele haben sich ehrlich
bemüht Menschen und Leben zu retten - andere hatten nur ihre politischen
Ziele im Auge.Gaby Weber läßt es, wie immer, nicht an Belegen,
Dokumenten und Beweisen fehlen - unter anderem auf ihrer website www.gabyweber.com
zu finden. Aber mit dem Anlangen dieses heißen Eisens entstehen
nicht nur Brandblasen, sondern werden auch die Political-Correctness-
Fanatiker auf den Plan gerufen, die mit aller Gewalt das Schwarzweißbild
auf ihrer veralteten Mattscheibe erhalten wollen. Nichts ist so absurd
wie das wirkliche Leben. Vor uns entsteht das unwirkliche, geradezu
surrealistische Bild einer lackierten Oberfläche hinter der Stippenzieher
verschiedener Nationalitäten, Religionen und Staaten in einer Paralellwelt
aus Moder, Fäulnis und Leichenbergen ganze Völker als blinde
Marionetten tanzen lassen. Hanau im beschaulichen Hessen entpuppt sich
als Drehscheibe für einen Nukleardeal zwischen mindestens drei
Regierungen, der deutschen, der argentinischen und der israelischen.
Alle drei wollen die Bombe. Alle drei müssen aufpassen, daß
die Amis ihnen nicht die Tour vermasseln. Aber auch die Franzosen spielen
mit und bauen in der Negev-Wüste den "Versuchsmeiler"
Dimona, ein Dankeschön für Israels Intervention in der Suez-Krise.
Der Suez-Kanal ist das Nadelöhr der europäischen Wirtschaft
nach Fernost.Eichmann, inzwischen ungeduldig auf sein als sicher angenommenes
Comeback in Deutschland wartend, kommt mit großspurigem Gequatsche
und sehr wahrscheinlichen Kontakten zum CIA, der hochpikanten Sache
in die Quere.Und wird nach Israel entsorgt - nur nicht ganz so wie die
Mossad-Märchenonkels uns das weismachen wollten. Die akribische
Journalistin entdeckt Unstimmigkeiten und geht ihnen nach. Die facts
scheinen nur einen Schluß zuzulassen: Eichmann wurde nicht entführt,
sondern ausgeliefert - nachdem die Israelis schon jahrelang über
seinen Verbleib Bescheid wußten. Aber warum? Die Spur führt
zur israelischen Atombombe - und zur Begehrlichkeit der Argentinier
und Deutschen nach der selben Technologie. Auf Ansprache durch die Journalistin
nimmt der Mossad stillschweigend seine offenbar unwahre Geschichte des
Eichmann-Kidnappings von der Internetseite ...
Wir sehen in einen Abgrund an Geschichtsklitterung, an Geschichtsfälschung,
Mythenbildung und gezielter Irreführung der Öffentlichkeit.
Sokrates hatte im alten Griechenland noch vor der Lüge die Gleichgültigkeit
der Bürger gegenüber ihr und dem Unrecht angeklagt. Als er
nicht schwieg, brachten sie ihn zum Schweigen.Die Chattpartnerin Sofia
im Stück hält der Journalistin Alicia vor:
"Hat die Freiheit nicht den Nachteil, daß man
sich ständig entscheiden muß? Das ist anstrengend! Die Leute
müssen und wollen gar nicht wissen, was sich hinter den Kulissen
abspielt." "... nicht das Nachfragen, sondern das Nachbeten
..." werde fürstlich honoriert. Aber Alicia kontert: "Wenn
du Falsches als die Wahrheit festschreibst verhinderst du den Fortschritt
(...). Das Ergebnis ist Stillstand. (...) Zum Ändern brauchst du
Wahrnehmung, überprüfbare Fakten, Erkenntnis."Das Stück
bleibt am Ende genauso offen, wie die Verfolgung der Klage um die offenbar
ermordeten Gewerkschafter bei Mercedes Benz Argentina und die Suche
nach der wahren Rolle des Massenmörders Eichmann in Argentinien.
Es bleiben Fragen. Fragen nach der ganzen Wahrheit hinter
den Fragmenten eines Mosaiks, die das ganze Bild nur ahnen lassen. So
lange es aber keine Wahrheit gibt, wird es Fragen geben. Und so lange
es Fragen gibt wird gefragt werden. Der Mensch will ergründen.
Der Mensch will wissen. "chatting with Sokrates" ist am besten
im Tandem zu lesen mit dem 2004 bei "Assoziation A" erschienenen
"Daimler-Benz und die Argentinien- Connection - Von Rattenlinen
und Nazigeldern" herausgegeben vom Dachverband der Kritischen Aktionärinnen
und Aktionäre. Dieses Buch liefert den präzisen Hintergrund
auf dem das Theaterstück beruht. Die in ihm recherchierten Fakten
werden in der Freiheit des Theaterstücks weitergedacht, ethisch
bewertet und mit Annahmen unterlegt, die die Rechercheergebnisse nahelegen,
die seriöserweise aber nicht in einer Recherche in dieser Weise
zur Sprache kommen dürfen. Ebenfalls von Gabi Weber ist ein weiteres
Buch zum Thema, "Die Verschwundenen von Mercedes Benz", 2001
auch bei "Assoziation A" erschienen, für das Theaterstück
und besonders für den erwähnten Film "Wunder gibt es
nicht" relevant. Die Bücher von "Assoziation A"
sind lieferbar und kosten jeweils 10 EURO.
Ralf G. Landmesser / www.schwarzrotbuch.de/lpa
Rezension der "Sozialistische(n)
Zeitung" SoZ März 2009
Mit Sokrates für das Recht auf Wahrheit
"chatting with Sokrates - Dialog über Öl,
Atom und Eichmann" heißt das neue Buch der in Buenos Aires
und Berlin lebenden Journalistin Gaby Weber. Seit Jahren beschäftigt
sich Gaby Weber mit den Menschenrechtsverletzungen, mit ungesühnten
Verbrechen, die an Mitgliedern von Gewerkschaften und sozialen Bewegungen
in Lateinamerika, insbesondere in Argentinien, verübt worden sind.
Sie hat darüber u.a die Bücher "Die Verschwundenen von
Mercedes Benz" und "Daimler Benz und die Argentinien-Connection"
geschrieben und am Schluss den Film "Wundergibt es nicht"
gemacht.
Die ermordeten Opfer können nicht wieder ins Leben zurückgeholt
werden. Ans Licht der Öffentlichkeit gebracht können jedoch
die historischen Fakten, die belegen, wer für was die Verantwortung
trägt. Dieser Aufgabe fühlt sich die Autorin verpflichtet
und hat auf der Suche nach der "historischen Wahrheit" zahllose
Archive besucht und Gespräche geführt. Dabei stieß sie
auch auf ein ausgeblendetes Kapitel deutscher Geschichte, das die spezifischen
Beziehungen der Bundesrepublik mit dem neu entstandenen Staat Israel
berührt und uns Einblicke gibt, wie sich die maßgeblichen
Köpfen der deutschen Nachkriegselite außenpolitische Bedingungen
schufen, die Ihnen die Konfrontation mit ihrer Vergangenheit ersparen
sollten. Im Mittelpunkt steht der Verkauf des Nazi-Know-Hows für
den A-Bombenbau, der als eine Art Schweigegeld gedacht war, von dem
sich die Verkäufer erhofften, in Zukunft nicht mehr ständig
auf die Anklagebank gesetzt zu werden.
Die Autorin hat eher aus Not die Darstellungsform eines
Theaterstücks gewählt, weil ihr im historischen Hergang noch
einige Steinchen für ein lückenloses Beweispuzzle fehlen,
was daran liegt, dass die existierenden Dokumente vor allem in Deutschland
bis heute unter Verschluss gehalten werden. Den roten Faden in der Hand
haben als auftretende Personen Alicia als Alter Ego der Autorin und
Sophía, die Kunstfigur einer argentinischen Journalistin. In
ihrem Chat versuchen die beiden Frauen den geschichtlichen Hergang zu
analysieren und holen sich Hilfe bei Sokrates.
Das Buch begleitet die maßgeblichen sozialen Akteure,
die den Gang der Dinge bestimmen. Es sind "Big Oil", "Big
Car" und "Big Money", die vielfältige lukrative
Beziehungen zum deutschen Faschismus pflegen. In diesem Zusammenhang
treten dann auch die verschiedenen "Dienste" auf. Eine wichtige
Rolle spielte der Bundesnachrichtendienst, der u.a. bereits früh
Kenntnis vom Aufenthaltsort Eichmanns in Argentinien hatte. Doch statt
ihn mit einem Haftbefehl der deutschen Justiz suchen zu lassen, benachrichtigte
man die CIA in der Hoffnung, dieser möge Eichmann an einen Ort
bringen, an dem er nicht stört. Diesen Ort musste man dann selbst
suchen und wählte Tel Aviv. In diesem Zusammenhang verfügt
die Autorin über aussagekräftige Dokumente dafür, dass
die offizielle Version der Eichmannentführung durch den Mossad
eine Legende ist. Der entscheidende Grund für seine Entführung
war nicht, ihn für die Organisation des Holocaust zur Verantwortung
zu ziehen, sondern zu verhindern, dass er durch seine Mitwisserschaft
ein Dreiecksgeschäft über atomare Schlüsseltechnologie
zwischen Deutschland, Argentinien und Israel gefährdet. Es sind
wohl diese historischen Tatsachen und ihre öffentliche Thematisierung,
die dazu führen, dass eine offene Debatte darum in einigen linken
Publikationen nicht möglich erscheint.
Der BND weigert sich, die für die Aufklärung der politischen
Tatsachen erforderlichen Dokumente zu öffnen und hat der Autorin
erklärt, sie könne es vielleicht 2017 noch einmal versuchen.
Die Kanzlerin tut so, als habe sie kein Weisungsrecht gegenüber
der Behörde. Die Rede ist von "wichtigen schützenswerten
außenpolitischen Interessen der Bundesrepublik". Gaby Weber
hat dieses Buch geschrieben, weil sie davon überzeugt ist, dass
es in einer demokratischen Gesellschaft ein Recht auf historische Wahrheit
geben muss, soll nicht akzeptieren werden, dass der Zynismus der Macht
das letzte Wort hat.
Jochen Gester
Junge Welt 17.03.2009
100 Tonnen Uran "verschwunden"
Israel wurde zu Beginn der sechziger Jahre mehrfach mit
dem gefährlichen
Stoff beliefert. Eine Recherche
Von Gaby Weber
Der UN-Report sei "alarmierend" und könne
schwere Folgen für die Obama-Administration zeitigen, wertete jüngst
die New York Times (19.2.) einen neuen Ermittlungsstand in Sachen des
iranischen Atomprogramms. Demnach soll die Regierung in Teheran eine
Tonne leicht angereichertes Uran besitzen -statt der 600 Kilogramm,
die sie offiziell angegeben hat. Anfang März legte der US-Generalstabschef
Mike Mullen diesbezüglich nach: Der neue Fund belege, so behauptete
der Admiral CNN gegenüber, daß "Iran genug Uran hat,
um eine Atombombe zu bauen" - eine bemerkenswerte Feststellung
angesichts früherer Äußerungen seitens Washingtons.
"Weniger als zehn Tonnen Natururan" seien "irrelevant",
erklärte einst die US-Regierung, als es um den Besitz von Uran
durch Israel ging - eine Geschichte, die einige Zeit zurückliegt
und im Zusammenhang mit der Inbetriebnahme des israelischen Atomkraftwerks
Dimona 1964stand. llgemein bekannt ist, daß sich der israelische
Geheimdienst Mossad ab Ende der sechziger Jahre in Nacht-und-Nebel-Aktionen
Uran "besorgt" hatte -doch woher der erste Brennstoff für
Dimona kam, haben die zuständigen Behörden bis heute nicht
bekanntgegeben.
Wer die argentinische Atombehörde (CNEA) dazu fragt, erhält
eine klare Antwort: "Wir haben drei Mal Uran an Israel geliefert",
so CNEA-Sprecher Roberto Ornstein Ende vergangenen Jahres. "Die
erste Lieferung, fünf Tonnen, ging 1960 über Deutschland.
Die zweite, zehn Tonnen, ging direkt nach Israel. Und die dritte Lieferung,
1963, ging ebenfalls direkt nach Israel, hundert Tonnen. Was die Israelis
mit diesem Uran gemacht haben? Das wissen nur sie."
Uran war nicht frei handelbar, sondern stand auf der CoCom-Liste, mit
der den realsozialistischen Staaten Europas strategische Rohstoffe und
Technologien vorenthalten werden sollten. In allen drei Fällen
mußte die Regierung in Buenos Aires ein Dekret erlassen, um die
gesetzlichen Einschränkungen zu umgehen. Diese drei Dekrete sind
nicht geheim und können im
Nationalarchiv eingesehen und kopiert werden (sie können auch von
der Homepage der
Autorin heruntergeladen werden; d.Red.).
Das erste Dekret - aus dem Jahr 1960 - verfügt den Export von sechs
Tonnen Yellow Cake (Gemisch von Uranverbindungen) über einen Umweg:
Der Stoff wurde zuerst an zwei deutsche Firmen geliefert, an die Metallgesellschaft
und die Nukem, die kurz zuvor von der Degussa gegründet worden
war. Die Degussa hatte übrigens während des Zweiten Weltkrieges
nicht nur ZyklonB für die Vernichtungslager, sondern auch fünf
Tonnen Uranmetall für Hitlers "Uran-Projekt" produziert.
1962 exportierte Argentinien weitere zehn Tonnen Uran nach Israel.
Der US-Regierung waren diese Exporte bekannt. Dieses geht aus einem
vertraulichen Memorandum vom 5. März 1962 hervor, das auf meinen
Antrag hin Ende vergangenen Jahres vom Energieministerium in Washington
freigegeben und mir überreicht wurden. Darin berichtet Mr. A. Wells,
Abteilungsleiter für internationale Angelegenheiten, über
die bis zu diesem Zeitpunkt von
Argentinien an Israel erfolgten Uranlieferungen. Dies sei dem US-Verbindungsoffizier
von der argentinischen Regierung mitgeteilt worden.
Daß der Kaufvertrag keine Kontrollen über die Verwendung
des Urans vorgesehen und daß die israelische Regierung ausdrücklich
die Geheimhaltung dieses Geschäfts "gefordert" habe,
hatte die US-Regierung nicht zum Anlaß genommen, mißtrauisch
zu werden oder gar "Alarm" auszulösen. "Mengen unter
zehn Tonnen" - so das Memorandum - seien laut der internationalen
und der US-amerikanischen Regelungen von solchen Kontrollen ausgenommen.
Daß die sechs vorherigen Tonnen, die über deutsche Firmen
liefen, am Ende in Israel gelandet waren, will man in Washington nicht
gewußt haben.
Im Februar 1963 entschied die argentinische Regierung, ein drittes Mal
konzentriertes Uran nach Israel zu schicken - diesmal einhundert Tonnen,
ausreichend für den Bau von fast hundert Atombomben. Wenige Monate
später, am 5. Juli 1963, schrieb Präsident John F. Kennedy
an den israelischen Premierminister und bat um eine Inspektion des Dimona-Komplexes.
Eine umfassende
Inspektion des Atomkraftwerkes in der Negev-Wüste hat die Regierung
in Tel Aviv bis heute verweigert. Die über hundert Tonnen Uran
aus Argentinien wurden nie gefunden. Sie sind bis heute verschwunden,
und niemand schlug Alarm.
Und seit dem Attentat auf Kennedy im November 1963 scheint sich kein
US-Präsident mehr um das israelische Atomprogramm zu sorgen.
Interview mit Gaby Weber auf
dem Internetporal Telepolis am 16.01.2009
Das atomare Dreiecksgeschäft
Jens Berger
Deutsche Atomphysiker, die nach dem Krieg in Argentinien
forschten, halfen Israel, Atommacht zu werden - Interview mit der Journalistin
Gaby Weber
Es gilt als offenes Geheimnis, dass der Staat Israel spätestens
seit 1967 Atommacht ist. Experten schätzen, dass Israel rund 200
atomare Sprengköpfe in seinem Arsenal hat. Das Land hat den Atomwaffensperrvertrag
nicht unterschrieben und entzieht sich internationalen Kontrollen durch
die Internationale Atomenergiebehörde.
Wie Israel eine Atommacht werden konnte, ist immer noch weitgehend unbekannt.
Bis ins Jahr 1960 arbeiteten die israelischen Atomphysiker intensiv
mit Frankreich zusammen - auch der Kernreaktor in Dimona, der 1958 fertig
gestellt wurde und zwischen 1962 und 1964 seinen Betrieb aufnahm, wurde
mit französischer Hilfe errichtet. Wie Untersuchungen der BBC ergaben,
half auch Großbritannien, indem es über Norwegen in den frühen
1950er Jahren 20 Tonnen schweres Wasser an Israel verkaufte.
Die Journalistin und Buchautorin Gaby Weber hat bei Recherchen in argentinischen
Archiven Unterlagen entdeckt, die nahelegen, dass zwei weitere Staaten
Israel bei dessen Atomprogramm unterstützten - Deutschland und
Argentinien. An argentinischen Forschungszentren arbeiteten zu dieser
Zeit auch deutsche Kernphysiker, die bereits am Uranprojekt des Dritten
Reiches beteiligt waren, wie Walter Seelmann-Eggebrecht, einst die rechte
Hand von Otto Hahn.
Frau Weber, wie kam es zu dieser deutsch-argentinischen
Kooperation?
Gaby Weber: Spätestens seit 1943 war den Deutschen
klar, dass sie den Zweiten Weltkrieg verlieren würden. Schon damals
haben sich viele Wissenschaftler Gedanken gemacht, wo sie nach Ende
des Krieges weiterarbeiten. Viele Wissenschaftler sind mehr oder minder
freiwillig von den Amerikanern eingekauft worden, andere gingen in die
Sowjetunion. In Deutschland war jedoch die Forschung auf dem Gebiet
der atomaren, biologischen und chemischen Waffen zunächst durch
das Verbot der Alliierten und später durch die Pariser Verträge
untersagt. Diese Verträge besagten, dass die ABC-Forschung auf
deutschem Boden verboten ist - dort steht aber nicht, dass die Forschung
auf argentinischem Boden verboten ist. Es sind nachweislich nach dem
Krieg mehrere Kernphysiker in Argentinien gelandet. Ab 1946 herrschte
dort General Juan Perón. Perón hat seit Beginn seiner
Regentschaft auf die Rüstungstechnologie gesetzt und versucht,
deutsche Forscher nach Argentinien zu locken - dafür wurden sogar
Headhunter eingesetzt.
In den 50er Jahren wollten Deutschland und Argentinien
Atommächte werden
Inwieweit war die Regierung der jungen Bundesrepublik in diese Vorkommnisse
involviert? Gab es damals durch Bonn eine aktive Unterstützung
der deutsch-argentinischen Kooperation?
Gaby Weber: Ja, mit Sicherheit, und zwar zusammen mit
der deutschen Industrie. Die deutsche Industrie hat ja nach dem Zweiten
Weltkrieg ihr zusammen gestohlenes Vermögen, das sie in der Schweiz
und anderswo geparkt hatte, auch über Argentinien wieder in den
Wirtschaftskreislauf zurückgebracht. Das Imperium rund um "Mercedes
Argentina" wurde 1955 beschlagnahmt und die entsprechenden Leute
saßen später in Argentinien ja auch wegen Geldwäsche
im Gefängnis. Ludwig Erhard war damals ein gern gesehener Gast
in Argentinien - ich habe in argentinischen Archiven mehre Dokumente
gefunden, die auch seinen Namen tragen. Ich war die erste Journalistin,
die Einblick in diese Akten nehmen durfte.
Es gab da eine Interessenübereinstimmung zwischen
Argentinien und Deutschland. Der junge Bonner Staat wollte sich auch
die Patente, die in diesem sensiblen Bereich erarbeitet wurden, nicht
wegnehmen lassen. Wenn man beispielsweise heute nachforscht, wer die
Herstellung von Plutonium erfunden hat, stößt man auf eine
Liste, die mit den Engländern im Jahre 1942 anfängt. Aber
ein Jahr zuvor wurden vom "Kaiser-Wilhelm-Institut" von Carl
Friedrich von Weizäcker und Karl Wirtz bereits Patente für
die Herstellung von Plutonium angemeldet. Diese Patente sind in der
Nachkriegszeit verschwunden - weder beim Deutschen Patentamt, noch bei
der Max-Planck-Gesellschaft sind diese Patente noch vorhanden. Mitte
der 1950er Jahre, also fünfzehn Jahre später, erscheint Wirtz,
der bereits unter Hitler an der Herstellung von Plutonium gearbeitet
hat, nun plötzlich wieder beim Patentamt und meldet die gleichen
Patente an - diesmal natürlich "rein zivil".
Ab 1955 war Franz Josef Strauß Minister für
Atomfragen und das deutsche Parlament hatte die atomare Bewaffnung Deutschlands
beschlossen - was übrigens nie zurückgenommen wurde, aber
darüber redet man hier nicht gerne. Die Geschichte nahm einen anderen
Lauf, aber Ende der 1950er Jahre wollten sowohl Deutschland als auch
Argentinien Atommächte werden und dahingehend wurde auch Forschung
betrieben. Bis Ende der 1940er Jahre hatten die Argentinier keine Erfahrungen
im experimentellen Bereich der Nuklearphysik - das änderte sich
mit dem Erscheinen der deutschen Forscher. Anzeige
Haben Sie bei Ihren Recherchen Unterlagen gefunden, die
einen Einblick geben, wie weit die deutschen Physiker im argentinischen
Exil ihr theoretisches Wissen im atomaren Bereich erweitern konnten
und welche Fortschritte sie im experimentellen Bereich machten?
Gaby Weber: Das große Manko an diesen Forschungen
war natürlich, dass sie im Geheimen stattfinden mussten. Die Ergebnisse
konnten nicht verwertet werden, da sie nicht patentiert werden konnten.
1957 wurde die europäische Atombehörde EURATOM gegründet,
bei der die Deutschen sehr eng mit den Franzosen zusammenarbeiteten
und ihre Patente und ihr Wissen geteilt haben. Dadurch konnten die Deutschen
dann über die Franzosen, die EURATOM und die europäische Industrie
ihr Wissen ab diesem Zeitpunkt auch wieder industriell und wirtschaftlich
nutzen.
Wie viele der deutschen Physiker, die in Argentinien ihre
Forschungen betreiben konnten, sind nach der Gründung von EURATOM
wieder in die Bundesrepublik zurückgekehrt?
Gaby Weber: 1955 gab es in Argentinien einen Putsch gegen
Juan Perón. Das war ein erster Einschnitt. Auch wenn die neuen
Machthaber die Forschung im Prinzip weiterführen wollten, änderten
sich die Bedingungen und es floss weniger Geld. Viele der deutschen
Forscher verließen daraufhin das Land und Ende der 1950er änderte
sich ja auch in Europa das politische Klima. Die Deutschen durften auch
im Rüstungsbereich über die europäischen Institutionen
wieder mitmischen. Anfang der 1960er Jahre gab es sogar einen Gesetzesentwurf
der SPD, mit dem man die Forscher zwingen wollte, nach Deutschland zurückzukehren.
Das Gesetz wurde aber nie umgesetzt, da die Forscher auch so wieder
nach Deutschland kamen.
Israel bekam die die Technik von den Deutschen und
den Franzosen, das Uran kam aus Argentinien. Ihre Recherchen ergaben
auch, dass Argentinien Israel bei der Entwicklung dessen Atomprogramms
half - unter anderem durch Lieferungen von wichtigem Natururan, das
Israel für den Bau seiner ersten Atomwaffen benötigte. Fand
auch ein Transfer des Know-hows statt, das durch die deutschen Forscher
erarbeitet wurde?
Gaby Weber: Sie hatten es eingangs bereits erwähnt:
Die Technologie kam ursprünglich von den Franzosen. Diese gerieten
aber zusehends unter Druck durch die Amerikaner, die damals überhaupt
kein Interesse hatten, dass Israel die Atombombe in seinen Besitz bekommt.
Die Technologien bekam Israel von den Franzosen und den Deutschen, das
schwere Wasser kam aus Norwegen und das benötigte Uran kam in der
Anfangszeit größtenteils aus Argentinien.
Israel versuchte in Südafrika und den französischen Kolonien
Uran zu bekommen - dort war man aber durch Exklusivverträge an
Großbritannien und Frankreich gebunden. Die USA versuchten damals
auch, dies mit aller Macht zu verhindern. In Argentinien stand Uran
auf der Liste der strategischen Rohstoffe, die nicht exportiert werden
durften, darum haben die Militärs Dekrete erlassen, um dieses Uran
zu exportieren. Kopien dieser Unterlagen habe ich auch auf meiner Homepage
veröffentlicht. Es gab drei Lieferungen - die erste im Jahr 1960.
Dabei ging es um 5 Tonnen Natururan - Yellow Cake -, die über die
deutsche Firma Nukem nach Israel geliefert wurden. Dies ist besonders
delikat, da die Nukem eine Tochter der Degussa war, die im Zweiten Weltkrieg
das Giftgas Zyklon B hergestellt und daran gut verdient hat. Die zweite
Lieferung fand 1962 statt, dabei ging es um 10 Tonnen Natururan. 1963
wurden sogar 100 Tonnen Natururan nach Israel geliefert. Die zwei letzten
Lieferungen gingen allerdings den Dekreten zufolge direkt nach Israel
und nicht über Deutschland.
1968 wurden 200 Tonnen Uran aus Belgien über
einen deutschen Zwischenhändler und mit Zustimmung der deutschen
Regierung nach Israel geliefert. Haben Sie Erkenntnisse sammeln können,
die nahelegen, warum Argentinien nach 1963 die Lieferungen an Israel
eingestellt hat?
Gaby Weber: Leider nein. Es kann sein, dass es noch mehrere Lieferungen
gab. Ich habe aber nur für die drei genannten Lieferungen Belege
finden können. Wahrscheinlich wurden die Lieferungen aufgrund der
politischen Wirren, die zu dieser Zeit in Argentinien herrschten, abgebrochen.
Die Plutoniumproduktion im israelischen Kernforschungszentrum
Dimona wird auf Basis der Technologie durchgeführt, deren Grundlagen
deutsche Physiker während des Zweiten Weltkrieges entwickelten.
Gibt es Anhaltspunkte, dass die Israelis mit Hilfe der deutschen Wissenschaftler,
die unter den Nazis auf diesem Feld tätig waren, diese Technologie
entwickeln konnten?
Gaby Weber: Mir ist von Seiten der argentinischen Atomkommission bestätigt
worden, dass die deutschen Forscher in Argentinien Plutonium isoliert
haben - zwar nur im Labormaßstab, aber die Technologie wurde dort
entwickelt. Ob das argentinische Militär heimlich selbst an einer
Atomwaffe gearbeitet hat, was damals immer vermutete wurde, lässt
sich nicht sagen. Es gab auf jeden Fall einen regen Austausch zwischen
argentinischen und israelischen Forschungszentren. Aber auch Otto Hahn
und sein Forschungszentrum in Göttingen tauschten sich später
intensiv mit Israel aus.
Sie sprechen von einem atomaren Dreiecksgeschäft.
Die Vorteile für Argentinien und Deutschland bei der Forschungspartnerschaft
sind offensichtlich - auch die Vorteile für Israel liegen auf der
Hand. Was aber hat Argentinien und Deutschland dazu bewogen, Israel
in dieses Geschäft mit einzubeziehen?
Gaby Weber: Ich glaube nicht, dass dies von deutscher
Seite freiwillig geschah. Ich habe bereits die Firmen Degussa und ihre
Tochter Nukem erwähnt. Firmen wie Degussa haben sich unter anderem
durch die Produktion von Zyklon B schwerster Kriegsverbrechen schuldig
gemacht. Israel hat sich mit Kritik an diesen Unternehmen immer sehr
zurückgehalten und hat dafür Wiedergutmachung bekommen. Ich
vermute daher, dass diese Zusammenarbeit nicht freiwillig vonstatten
ging. Argentinien war wiederum bei dieser
Kooperation auf Deutschland angewiesen. Vielleicht hat man auch darauf
spekuliert, zumindest einen Teil des verhütteten Urans als spaltbares
Material zurückzubekommen. Und alle drei Länder hatten ein
großes Interesse daran, im Schatten der internationalen Aufsichtsbehörden
ihre Forschung zu betreiben.
Die atomare Zusammenarbeit
zwischen Israel und Frankreich musste 1960 von Charles de Gaulle aufgekündigt
werden. Hat das argentinisch-deutsche Programm die Kooperation mit Israel
nach dieser Aufkündigung von Frankreich übernommen oder wurde
Israel zuvor parallel von beiden Seiten unterstützt?
Gaby Weber: Ich glaube, diese Aufgabe wurde 1960
von Deutschland alleine übernommen. Dafür gibt es auch Hinweise
in der Literatur - so haben sich die Franzosen 1960 offensichtlich mit
den Worten "Redet doch mal mit den Deutschen" aus der Zusammenarbeit
verabschiedet. Das haben die Israelis dann wohl auch gemacht.
Wer außer den Franzosen wusste vom atomaren
Dreiecksgeschäft? Waren die Amerikaner damals im Bilde?
Gaby Weber: Lange Zeit habe ich gedacht, dass dies
alles hinter dem Rücken der Amerikaner vor sich ging. Jetzt habe
ich auf Nachfrage Unterlagen des amerikanischen Energieministeriums
erhalten, die zeigen, dass die Amerikaner von den Uranlieferungen ab
1960 wussten. Dieser Teil war den Amerikanern also bekannt.
Die Hilfe deutscher Wissenschaftler war zentral
für die Entwicklung der israelischen Atombombe
Haben die USA die deutsche Hilfe billigend in Kauf genommen oder gab
es hinter den Kulissen Spannungen?
Gaby Weber: Es gab mit Sicherheit Spannungen. Mir
liegt ein Brief von Kennedy an den israelischen Ministerpräsidenten
Eshkol vor. Kennedy hat immer darauf gedrängt, in Dimona internationale
Kontrollen durchzuführen. Erst nach dem Tode Kennedys hat sich
dies geändert. Bis dahin hat es ganz massiven Druck auf Israel
gegeben, sein Atomprogramm offen zu legen. Von Seiten der CIA fand auch
ein massives Vorgehen gegen Argentinien und Brasilien statt, die damals
beide heimlich und am Rande der Legalität in den Besitz atomarer
Technologie kommen wollten.
Wie groß war der Anteil Argentiniens und Deutschlands
am israelischen Atomprogramm? Waren beide Staaten nur ein Helfer unter
vielen oder war ihre Hilfe so elementar, dass ohne sie das Atomprogramm
gefährdet gewesen wäre?
Gaby Weber: Es ist schwer darüber zu spekulieren,
was passiert wäre, wenn dieses Dreiecksgeschäft nicht stattgefunden
hätte. Mit Sicherheit war aber die Hilfe deutscher Wissenschaftler,
die schon unter Hitler auf diesem Gebiet geforscht hatten, zentral für
die Entwicklung der israelischen Atombombe. Für den Bau von Dimona
war die Hilfe wichtig und die Konstruktion der ersten Atombomben wäre
ohne das argentinische Uran so nicht möglich gewesen. Hinterher
gab es auch Liebesdienste von anderen Staaten und man beschaffte sich
das Uran auf andere Art und Weise. Aber die ersten Atombomben wären
ohne dieses Dreiecksgeschäft nicht entstanden.
Das israelische Atomprogramm entzieht sich auch
heute noch jeglicher Kontrolle durch die Internationale Atomenergiebehörde.
Barack Obama hat im Wahlkampf immer wieder eine Stärkung dieser
Kontrollen gefordert. Wird sich Ihrer Meinung nach unter der Präsidentschaft
Obamas etwas an den internationalen Kontrollen in Israel ändern?
Gaby Weber: Es ist eine Schande, dass die Internationale
Atomenergiebehörde in Wien Israel immer noch als Mitglied führt,
obwohl es sich jeglichen Kontrollen entzieht. Eine der UNO unterstehende
Institution darf sich dies eigentlich nicht leisten. Ich habe mehrfach
versucht, mit der IAEO in Kontakt zu treten, um einerseits Informationen
über Israel zu bekommen und anderseits auch Informationen zu liefern.
Keiner scheint dort überhaupt Interesse am israelischen Atomprogramm
zu haben - noch nicht einmal die belastenden Dokumente finden dort einen
Interessenten.
Obama hat bereits zu verstehen gegeben, dass er versuchen wird, Dimona
internationalen Kontrollen zu unterwerfen. Dies wird auch in der israelischen
Presse mit Sorge wahrgenommen. Man wird abwarten müssen, wie Israel
auf diese neue Situation reagieren wird. Die Toleranz, die die letzte
amerikanische Regierung Israel gegenüber an den Tag gelegt hat,
wird es so aber sicher nicht mehr geben. Es ist nicht eben gut für
den Weltfrieden, dass Staaten wie Israel, Pakistan und vielleicht bald
auch der Iran über Atomwaffen verfügen.
Wie groß schätzen Sie die Chancen ein,
dass Israel in diesem Streit einlenken könnte? Gibt es eine realistische
Hoffnung, dass Israel kompromissbereit ist?
Gaby Weber: Wenn man sich anschaut, was Israel momentan
in Gaza macht, kommt man zu dem Schluss, dass es gar keine Kompromisse
eingehen will. Nichtsdestotrotz hängt dies nicht nur von Israel
ab und ich denke, dass eine neue Regierung in den USA etwas zum Friedensprozess
und zur nuklearen Abrüstung im Nahen und Mittleren Osten beitragen
kann, solange sie harte Forderungen an alle Seiten stellt.
Gaby Weber arbeitet seit 1978 als freie Journalistin,
u.a. als Südamerika-Korrespondentin der ARD. Sie hat ihre Rechercheergebnisse
auch in ihrem neuen Buch "Chatting with Sokrates" in Form
eines Theaterstücks verarbeitet.
Rezension aus Ossietzky 23/2008
Gaby Weber Angela Merkel hält Akten geheim
In vielen Staaten sorgen Gesetze dafür, daß
den Historikern die Archive zu NS-Verbrechen offenstehen, so in Argentinien
und in den USA (Nazi War Crimes Disclosure Act). Nur die Bundesregierung
läßt ihren Bundesnachrichtendienst weiterhin Material zu
NS-Kriegsverbrechern geheimhalten.
Ich hatte zunächst im Bundeskanzleramt die Freigabe der Akten zu
Adolf Eichmann (bis zu seiner Verhaftung 1960) sowie zu den (illegalen)
westdeutschen Atomforschungen in Argentinien beantragt. Da die Pariser
Verträge dem Bonner Staat die Forschung zu Kernwaffen verboten
hatten, waren diese Aktivitäten nach Argentinien ausgelagert worden.
Von diesen Forschungen profitierte auch Israel auf der Suche nach der
eigenen Atombombe.
Das Kanzleramt teilte mir zunächst mit, daß ich selbstverständlich
alle Unterlagen zu Eichmann einsehen könne, und gab schließlich
auch seine Akte zu Eichmann frei, die allerdings erst mit der Verhaftung
des Kriegsverbrechers in Israel begann - mehr sei leider nicht da, ich
könne es ja in Pullach probieren, also beim BND. Dort stellte ich
im Januar 2008 einen Antrag.
Im März lehnte der BND mein Ansinnen ab; Er habe die Akte gefunden,
aber frühestens 2017, wahrscheinlicht 2025, sei an eine Freigabe
zu denken.
Vermutlich um einen Prozeß zu vermeiden, lud das Kanzleramt meine
Anwältin und mich zu einem Gespräch ein. Unser Friedensangebot
lautete: Die Kanzlerin solle sich das Material ansehen und entscheiden,
ob es wirklich noch geheimhaltungsbedürftig sei. Die Vertreter
der Rechtsabteilung antworteten: "Wir bekommen die Akte vom BND
auch nicht." Aber das Kanzleramt sei die Widerspruchsbehörde.
Wir legten also Widerspruch ein. Doch anstatt dem Pullacher Dienst eine
Dienstanweisung zu erteilen oder selbst über den Widerspruch zu
entscheiden, teilte man mit, man verfolge die Angelegenheit nur noch.
Im September schickte der BND den Ablehnungsbescheid und argumentierte
darin, daß er - zum Wohl des Bundes - seine Informanten schützen
müsse. Warum er nicht, wie andere Behörden, Personen durch
Schwärzungen schützen kann, erklärte er nicht. Außerdem
berief er sich darauf, daß die Akte Material von befreundeten
Diensten enthalte, womit er vermutlich den israelischen Mossad meinte.
"Die ausländischen Stellen beabsichtigen nicht, das Material
öffentlich zugänglich zu machen." Der Hinweis auf "andere
Dienste" unterschlägt, daß die CIA- und FBI-Akten zu
Eichmann inzwischen freigegeben sind. Aus ihnen geht hervor, daß
der BND spätestens seit 1958 über Eichmanns Wohnort in Argentinien
informiert war und ihn der CIA mitgeteilt hat. Warum er ihn nicht der
Frankfurter Staatsanwaltschaft gemeldet hat, die Haftbefehl gegen den
Kriegsverbrecher erlassen hatte, werden wir wohl erst mal nicht erfahren.
Daß aber Angela Merkel in Kenntnis dieses Umstandes trotzdem den
BND entscheiden ließ, statt selber zu entscheiden, zeugt von ausgemachter
politischer Feigheit.
Ich finde, es schadet dem Wohl des Bundes, wenn über 60 Jahre nach
Ende des Zweiten Weltkrieges immer noch Akten über einen nationalsozialistischen
Massenmörder geheimgehalten werden. Dies ist in erster Linie eine
politische Frage. Es ist auch eine juristische Frage. Gegen die Entscheidung
habe ich vor dem Bundesverwaltungsgericht Klage eingereicht. Laut Bundesarchivgesetz
muß nach 30 Jahren Einsicht erteilt werden. Aber es gibt Ausnahmen,
und davon läßt die Bundeskanzlerin den BND großzügig
Gebrauch machen.
Interview mit Gaby
Weber in der Zeitung "Junge Welt" vom 11.10.2008 / Wochenendbeilage
/ Seite 1 (Beilage)
"Er galt als Amispitzel und mußte
aus dem Weg geräumt werden"
Gespräch mit Gaby Weber. Über den Massenmörder
Adolf Eichmann. Und darüber, daß er zu viel über das
Dreiecksgeschäft mit der israelischen Atombombe wußte
Gaby Weber ist Journalistin und Buchautorin, sie lebt
und arbeitet in Buenos Aires und Berlin. Sie hat unter anderem Bücher
über die Rolle deutscher Nazis und über Daimler-Benz in Argentinien
geschrieben. In Ihrem Buch "chatting with Sokrates" zitieren
Sie den Satz: "Der Mossad hat Adolf Eichmann wegen seiner Verbrechen
am jüdischen Volk aus Argentinien entführt." Dazu Ihr
Kommentar: "Ein Satz, vier Lügen". Würden Sie uns
das erklären?
Der zitierte Satz gibt die Version wieder, die in den
Geschichtsbüchern steht und die vom israelischen Geheimdienst Mossad
seit 1975 offiziell verbreitet wird. Nach jahrelangen Recherchen in
Archiven und vielen Gesprächen mit Zeitzeugen bin ich zu einem
ganz anderen Ergebnis gekommen: Erstens war es nicht der Mossad, der
im Mai 1960 in Argentinien das Kommando führte. Es war ein kleiner
Geheimdienst Israels, der Atomtechnologie beschaffen sollte. Zweitens
war der Auslöser für Eichmanns Abtransport nicht seine Beteiligung
am Judenmord, sondern sein Wissen um geheime Dreiecksgeschäfte.
Drittens wurde er nicht entführt und viertens nicht aus Buenos
Aires.
Fangen wir doch mit Punkt eins an... Es waren damals in
der Tat israelische Agenten in Argentinien - und zwar vom LAKAM, einem
militärischen Dienst, der zum Zweck der Wirtschaftsspionage gegründet
worden war. Die Gruppe hatte den Auftrag, das Know-how für den
Bau einer Atombombe zu beschaffen. Nach dem Krieg waren Naziwissenschaftler
nach Argentinien geflüchtet und setzten dort, wie es Präsident
Juan Perón geplant hat, ihre Forschungen fort. Außerdem
sollten sie Uran für den geheimen Reaktor Dimona beschaffen. Diese
LAKAM-Agenten waren völlig unprofessionell. Sie traten auf wie
die Elefanten im Porzellanladen, so daß schon wenige Tage nach
ihrer Ankunft die argentinische Bundespolizei auf sie aufmerksam wurde.
Die einzige Möglichkeit für Israel, das nötige
Know-how zu bekommen, waren die deutschen Wissenschaftler. Die USA und
Großbritannien wollten damals die atomare Aufrüstung Israels
verhindern; Frankreich lieferte zwar einen Forschungsreaktor, wurde
dann aber von den USA gestoppt. Und die Sowjetunion kam nicht in Frage,
unter anderem weil sie den Ägyptern im Nuklearbereich half.
Und was spricht gegen die Version von der "Entführung"?
Israels Staatspräsident David Ben Gurion gab am 23.
Mai 1960 in der Knesset bekannt, daß Eichmann in Haft war. Aus
Israel selbst gab es damals keine offizielle Erklärung, wie er
dorthin gelangt war - den Begriff "Entführung" setzten
Journalisten in die Welt. Als die argentinische Regierung sich angesichts
der Presseberichterstattung über die Verletzung ihrer Souveränität
beschwerte, schrieb Ben Gurion seinem Amtskollegen in Buenos Aires einen
Brief mit der Entschuldigung, es seien "Freiwillige" auf eigene
Faust am Werk gewesen. Erst ab 1975 verbreitete der Mossad Bücher,
die die angebliche Entführung detailliert beschrieben. In den wesentlichen
Punkten ist die Mossad-Version nachweislich falsch.
Nach der Lektüre Ihres Buches fragt man sich, ob nach Eichmann
jemals ernsthaft gefahndet wurde. Er lebte doch bis 1950 unbehelligt
in Westdeutschland, bevor er mit Hilfe des Vatikans nach Argentinien
gelangte. Es gab viele, die davon wußten.
Er war mit einem falschen Paß auf den Namen Ricardo Klement eingereist.
Seine Kinder gingen unter ihrem richtigen Namen in die deutsche Schule,
sie waren auch in der deutschen Botschaft registriert - das geht eindeutig
aus Akten des Auswärtigen Amtes hervor, die ich einsehen konnte.
Eichmann fühlte sich in Argentinien so sicher, daß er - wie
viele andere Nazis auch - jahrelang offen unter seinem Namen aufgetreten
ist. Der Gründer und langjährige Chef von Mercedes-Benz-Argentinien,
Jorge Antonio, hatte ihn eingestellt - er wußte genau, mit wem
er es zu tun hatte. Das hat mir Antonio in einem längeren Interview
bestätigt. Man muß dabei im Hinterkopf behalten, daß
Mord nach deutschen Gesetzen damals nach 20 Jahren verjährte. Eichmann
ging also davon aus, daß er spätestens ab Mai 1965 unbehelligt
in die Bundesrepublik einreisen konnte. Antonio vermutete, daß
Eichmann ab Ende der 50er Jahre für einen US-Geheimdienst arbeitete.
Dafür habe ich allerdings noch keine Bestätigung in den USA
gefunden - ein Antrag auf Akteneinsicht läuft noch.
Seit 1956 gab es in Deutschland einen Haftbefehl, ausgestellt
vom hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer. Der hatte auch die israelische
Justiz um Hilfe gebeten. Mittlerweile ist mit Hilfe von Archivquellen
erwiesen, daß die israelische Regierung schon 1957 von einem deutschen,
in Argentinien lebenden Antifaschisten informiert worden war, wo Eichmann
steckte. Der Bundesnachrichtendienst (BND) wußte ebenfalls Bescheid.
Er informierte 1958 die CIA, wie aus heute zugänglichen Akten hervorgeht.
Es ist auffällig, daß Israel keine öffentliche
Kritik daran übte, daß damals Naziverbrecher hohe Funktionen
in der Bonner Regierung bekleideten. Israel hat z. B. offiziell nie
etwas dazu gesagt, daß Hans Globke, der Inititiator der Nürnberger
Rassegesetze, von Adenauer zu seinem Staatssekretär gemacht worden
war. Oder zu dem damaligen Vertriebenenminister Theodor Oberländer,
der 1960 in der DDR wegen Ermordung von mehreren tausend Juden und Polen
in Lemberg in Abwesenheit zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt
wurde. Da könnte man doch fragen, ob sich die israelische Regierung
ihr Schweigen irgendwie hat bezahlen lassen.
Wäre nicht der BND als Regierungsbehörde
verpflichtet gewesen, seine Erkenntnisse an die Staatsanwaltschaft weiterzugeben?
Diese Frage müßte das Bundeskanzleramt beantworten,
ich war mit meiner Anwältin dort. Es wurde mir in der Tat eine
Akte gezeigt - die begann aber erst nach 1960. Ich habe dann beim BND
die Freigabe der Akte beantragt, ich meine die Dokumente zum Zeitraum
vor Eichmanns Verhaftung in Israel. Zu meiner Überraschung wurde
mir mitgeteilt, daß sie diese Akte gefunden haben, sie wollten
sie aber bis mindestens 2017 geheimhalten. Ich habe jetzt gegen den
BND Klage erhoben, weil es nicht angeht, daß dort Erkenntnisse
über einen Massenmörder mit dem Argument unter Verschluß
gehalten werden, der Geheimdienst müsse seine Methoden und Quellen
schützen.
Eichmann arbeitete in Argentinien für Mercedes-Benz. Zum Unternehmensvorstand
in Stuttgart gehörte damals auch ein ehemaliger SS-Offizier, Hans-Martin
Schleyer. Wußte der davon?
Ich will erst kurz auf die Geschichte von Mercedes-Benz Argentina eingehen:
Die Firma wurde 1951 mit Geldern gegründet, die aus dem im Ausland
geparkten Nazivermögen stammen. Sie wurde über Nacht praktisch
größter Investor in Argentinien - ihr gehörten Ländereien,
Banken, Investmentfirmen. 1955 wurde sie nach dem Militärputsch
gegen Perón für einige Jahre beschlagnahmt. Die damals sichergestellten
Akten konnte ich einsehen. Schleyer war in jenen Jahren in Argentinien,
um die beschlagnahmte Firma zu legalisieren. Und als Eichmann in Buenos
Aires vermißt wurde, wandte sich die Familie an Mercedes-Benz,
und der Vorgang landete in Stuttgart bei Schleyer. Aus dem Daimler-Archiv
weiß ich, daß Schleyer öfter von "alten Kameraden"
um Gefallen und Spenden gebeten wurde. Auch in der Schweiz habe ich
Dokumente über Strohmänner gefunden, die da mitgemischt haben.
Mercedes-Benz Argentina hat nicht nur Eichmann, sondern auch andere
geflüchtete Nazis eingestellt.
Wie groß war denn die Nazigemeinde in Argentinien?
Es sind etwa 50000 Nazis ins Land gekommen, zum großen
Teil mit Hilfe der katholischen Kirche. Die haben sich dann über
ganz Lateinamerika verteilt - es dürften maximal 10000 gewesen
sein, die längere Zeit in Argentinien blieben. Das waren natürlich
nicht alle gesuchte Kriegsverbrecher. Eichmann war jedenfalls der zweithöchste
SS-Mann dort, er fühlte sich nach meinen Recherchen offenbar wie
der Anführer des Exils. Er hat seine Rolle aber sehr überschätzt,
zu sagen hatte er eigentlich nichts mehr. Er wußte jedoch eine
Menge über viele Leute, mit denen er zu tun hatte - und hätte
mit seinem Wissen den einen oder anderen fertigmachen können. Man
hatte Angst vor ihm.
Eichmann hatte in Argentinien wohl auch Kontakt zu
deutschen Atomwissenschaftlern, die dort ihre Forschungen fortsetzten.
Kernforschung wurde in Argentinien an zwei Orten betrieben:
zum einen in Tucumán, wo Eichmann anfangs wohnte. Dort arbeiteten
viele Atomwissenschaftler aus dem Umfeld von Otto Hahn. Nach dem Putsch
gegen Perón konzentrierte sich die Forschung auf Bariloche, dort
wurde an der Herstellung von Plutonium gearbeitet. Die argentinische
Atomkommission wurde von deutschen Wissenschaftlern mit aufgebaut, die
schon an Hitlers-Uranprojekt gearbeitet hatten.
Welches Interesse hatte Argentinien an der Atomforschung?
General Perón sah Argentinien auf dem Weg zu einer Großmacht,
was man sich heute kaum noch vorstellen kann. Er wollte eine eigene
Industrie aufbauen, auch auf dem Rüstungssektor - dafür wollte
er die deutschen Wissenschaftler haben. Daß es sich um Nazis handelte,
war ihm egal. Für dieses Know-how interessierte sich dann auch
die israelische Regierung.
Warum sollten ausgerechnet Nazis dem jüdischen
Staat zur Atombombe verhelfen?
Ich vermute, die Israelis haben die Deutschen erpreßt.
Wahrscheinlich auch die Frankfurter Firma Degussa, die in den 50ern
die Wiedergeburt der deutschen Atomindustrie eingeleitet hat. Eine Degussa-Tochter
hatte bekanntlich das Giftgas Zyklon B produziert, mit dem Millionen
Juden in den Konzentrationslagern ermordet wurden. Die 1960 gegründete
Tochterfirma NUKEM hat jedenfalls für Israel einen Teil des nötigen
Urans aus Argentinien beschafft. Ich habe versucht, bei Degussa zu recherchieren
- aber leider läßt man mich nicht ins Archiv.
Es gab damals noch ein anderes Land, das die Kernwaffe
wollte: der junge Bonner Staat. Der Beschluß des Bundestages,
daß die Bundeswehr atomar aufgerüstet werden soll, wurde
bis heute nicht zurückgenommen.
1955 hat Degussa ihre Nukleargruppe gegründet - es
waren auch Leute aus dem Atomministerium dabei, dem damals der CSU-Politiker
Franz Josef Strauß vorstand. Das Bundeskabinett stellte im März
1960 drei Millionen DM für nukleare Zusammenarbeit zwischen dem
Otto-Hahn-Institut der Universität Göttingen und dem Weizmann-Institut
in Israel zur Verfügung.
Warum hat Israel nicht interveniert, um zu verhindern,
daß der deutschen Bundesregierung das Know-how für die Atombombe
in die Hände fällt?
Für Juden müßte das eigentlich ein Alptraum
sein - Judentum und israelische Regierung sind aber nicht identisch.
Verantwortlicher Verteidigungsminister in Tel Aviv war damals Schimon
Peres, der als der "Vater des israelischen Atomprogramms"
gilt. Dabei ließ er sich offensichtlich kaum von moralischen Kriterien
leiten. Israels Verhandlungspartner auf westdeutscher Seite hatten fast
alle im faschistischen Deutschland wichtige Positionen gehabt. Trotzdem
lieferte Israel schon ab 1957 Waffen an die Bundeswehr. Und wie kann
man erklären, daß der Mossad den Erfinder der fahrbaren Gaskammern,
Walter Rauff, auf seiner Agentenliste führte?
Über diese Verflechtungen wußte Eichmann
Bescheid?
Über viele vermutlich. Er hatte zahlreiche Kontakte.
Sein Fehler war, daß er anfing zu plaudern. Es begann mit einem
langen Interview, das er dem niederländischen Kriegsverbrecher
Willem Sassen gegeben hatte, Eichmann wollte sich rechtfertigen. Und
er wurde immer mehr zu einer Gefahr, weil er von dem Atomdeal und der
Zusammenarbeit mit Israel wußte. Er wurde als Amispitzel verdächtigt,
deswegen mußte er aus dem Weg geräumt werden.
Okay - aber warum hat man ihn dann nicht einfach umgelegt?
Darüber kann man nur spekulieren. Das wäre möglicherweise
zu einem Riesenskandal geworden, der Argentinien schwer verärgert
hätte. Denkbar ist auch, daß die Argentinier dem einfach
zuvorgekommen sind, indem sie ihn auswiesen. Jorge Antonio hat, auch
öffentlich, bestätigt, daß Eichmann, der Ausländer
mit falschen Papieren, von den Argentiniern nach Brasilien ausgeflogen
und an die Israelis übergeben worden ist.
Der damalige Generaldirektor von Mercedes-Benz Argentina,
William Mossetti, muß ebenfalls davon gewußt haben. Er meldete
bereits am 12. Mai 1960 Eichmann von der argentinischen Sozialversicherung
ab. Er wußte also elf Tage vor der Bekanntgabe in der Knesset,
daß Eichmann nicht mehr in seinem Unternehmen auftauchen würde.
Mossetti übrigens war laut der OSS-Dokumente, die ich im US-Bundesarchiv
einsehen konnte, während des Zweiten Weltkrieges "G2-officer",
also Geheimagent, vermutlich für die Army.
Auf jeden Fall kann die Version des Mossad, Eichmann sei
entführt und mit einer El-Al-Maschine von Buenos Aires mit einer
Zwischenlandung in Dakar nach Israel geflogen worden, schon rein technisch
nicht stimmen. Das Flugzeug war eine Bristol Britannia, die nach Herstellerangaben
eine Reichweite von 6869 Kilometern hat. Die Entfernung zwischen Buenos
Aires und Dakar beträgt aber 6992 Kilometer - die Maschine muß
also eine andere Route geflogen sein. Laut Jorge Antonio wartete das
Flugzeug in Natal im Nordosten Brasiliens, was mir im übrigen auch
die brasilianischen Behörden bestätigt haben. Dort wurde die
El-Al-Maschine aufgetankt und Eichmann an Bord gebracht. Und von Natal
ging es weiter bis Dakar und dann nach Israel. Sowohl die Argentinier
als auch die Brasilianer haben sich nach meinem Eindruck völlig
legal verhalten. Eichmann hatte einen falschen Paß, konnte also
ohne Probleme aus Argentinien in das Land, wo er hergekommen war, ausgewiesen
werden. Und Brasilien braucht keinen Ausländer mit falschen Papieren
ins Land zu lassen - sie haben ihn also ins nächste Flugzeug gesetzt.
Das war nun diese El-Al-Maschine.
Hat Brasilien bewußt mitgespielt?
Davon gehe ich aus. Die brasilianische Regierung hat ja
damals ebenfalls mit Degussa über den Kauf einer Atomzentrifuge
verhandelt. Hinzu kommt, daß der gesamte Flugverkehr Brasiliens
bis heute vom Militär überwacht wird - die wußten genau,
welche Flugzeuge im Luftraum unterwegs waren.
Die Ergebnisse Ihrer Recherche widersprechen all dem,
was man aus der Geschichtsschreibung weiß. Gibt es Historiker,
die sich ernsthaft mit Ihren Argumenten auseinandersetzen?
Das ist je nach Land verschieden. In den USA arbeite ich
mit Leuten der Interagency Working Group on Nazi Crimes zusammen, Historikern,
die im Bundesarchiv in Washington sitzen. In Deutschland hingegen sieht
das anders aus - dort ist ein kritischer Umgang mit israelischer Zeitgeschichte
sehr schwierig. Bisher wurde ich nicht direkt angefeindet, übrigens
auch nicht von der israelischen Regierung. Der vor kurzem abgelöste
Ministerpräsident Ehud Olmert hat mir geschrieben, man habe mein
Bitten um Informationen zur Kenntnis genommen. Das war's dann aber auch.
Israel ist in einer schwierigen Situation. Nachdem das
Märchen von der Eichmann-Entführung jahrelang aufrechterhalten
wurde, ist es schwierig, davon wieder wegzukommen. Und dem stehen immer
noch militärische Interessen entgegen. Israel spielt ja ein doppeltes
Spiel: Offiziell heißt es, der Staat habe keine Atombomben. Andererseits
sind eben diese Bomben Teil des Abschreckungspotentials.
Seit einem Jahr versuche ich, von der Internationalen
Atomenergieorganisation (IAEA) in Wien Informationen zu bekommen. Dort
ist Israel Mitglied. Ich habe denen Dokumente über die erwähnten
Uranlieferungen geschickt und warte auf eine Stellungnahme.
Sie haben sich aber auch an den Mossad selbst gewandt
...
Der Geheimdienst hatte auf seiner Homepage als eine seiner
großen Heldentaten die Geschichte von der Eichmann-Entführung
dokumentiert. Ich habe dann per Mail nachgefragt, warum sie eine solche
Lügengeschichte ins Netz stellen. Sie sollten mir bitte Kopien
der einschlägigen Akten schicken. Eine Antwort habe ich zwar nie
bekommen - aber ein paar Tage später war das Heldenepos von der
Internetseite verschwunden.
Sie haben die Eichmann-Story in Form eines Theaterstücks
dargestellt. Warum nicht klassisch, als Sachbuch mit ordentlichen Fußnoten?
Ich wollte anfänglich einen Dokumentarfilm drehen,
also erst einmal ein Drehbuch schreiben. Das wäre aber zu teuer
geworden - für solche Projekte gibt es kein Geld. Da ich mich schon
gedanklich auf dieses Drehbuch fixiert hatte, habe ich dieses Theaterstück
verfaßt, das von Basisgruppen, Schultheatern und anderen kleinen
Bühnen ohne großen technischen Aufwand gespielt werden kann.
Man braucht nur Stühle, Tisch, eine weiße Wand sowie einen
Beamer, mit dem Archivdokumente eingespielt werden.
Ein Theaterstück gibt mir die Möglichkeit, Eichmann
in seiner Subjektivität zu beschreiben. Also etwa so: Was ist in
seinem Kopf vorgegangen? Es ist fast unerträglich, das zu Papier
zu bringen, was dieser Verbrecher von sich gegeben hat. Ich habe den
Dialog zwischen einer Journalistin und einer Historikerin dazwischengeschaltet
- die Leser oder Zuschauer haben damit etwas mehr Distanz dazu, können
es also auch eher rational verarbeiten.
Sicher, ein Sachbuch wäre auch eine Möglichkeit
gewesen. So eins habe ich z. B. über die Geldwäsche der Nazis
geschrieben, jede zweite Zeile war mit einer Fußnote mit Hinweis
auf Archivdokumente versehen. Das Buch ist in Deutschland totgeschwiegen
worden. Vielleicht ist das Theater der einzige Ort, an dem man noch
frei reden und Argumente austauschen kann.
Das Buch heißt "chatting with Sokrates"
- wie kamen Sie zu diesem Titel?
Der altgriechische Philosoph hatte schon vor zweieinhalbtausend
Jahren eine sehr kluge Fragetechnik entwickelt. Direkte, fast naiv wirkende
Fragen, die geeignet sind, Herrschaftsversionen zu entlarven. Daran
sollte sich der Journalismus erinnern. Unser Beruf ist heute ziemlich
verkommen, man wiederholt, was man wiederholen soll, statt Vorgegebenes
in Frage zu stellen. Man kann gar nicht dumm genug fragen - die naivsten
Fragen sind meistens die besten.
Das Interview führte Peter Wolter
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